Interviews met Patricia Kaas

Interview Badische Zeitung - 27 Okt. 2012

“Man muss sich selbst lieben”

BZ-INTERVIEW: Patricia Kaas über ihre Show “Kaas chante Piaf”, das Künstlerleben und die Lieder.

KCP ist die Hommage einer großen Sängerin an eine andere große Sängerin: “Kaas chante Piaf” heißt die Bühnenshow, mit der Patricia Kaas ab November auf Welttournee geht. Die CD dazu erscheint nächsten Freitag, nächstes Frühjahr kommt Kaas mit der Show nach Baden-Baden. Eben dort bat sie jetzt schon zum Interview, in Brenner’s Parkhotel. Kaas’ Stimme hat auch beim Reden das berühmte raue Timbre. Ihrem Gesicht meint man, die viele Bühnenarbeit anzusehen. Oder ist sie müde, weil sie am Vormittag schon für Interviews in Frankfurt und Mainz war? Zwanzig Minuten dauert die Audienz, gerade genug für einige Fragen über sie und Edith Piaf, die Chansons und das Leben.

BZ: Frau Kaas, in Ihrer Autobiographie schreiben Sie, dass schon Ihre Mutter Sie wegen Ihrer kräftigen, tiefen Stimme mit der Piaf verglichen hat, als Sie als 13-Jährige Ihre ersten Auftritte in einem Saarbrücker Nachtclub namens Rumpelkammer hatten. Ist Ihre Show “Kaas chante Piaf” so etwas wie eine Rückkehr zu Ihren Anfängen?
Kaas: Nein. Ich sang damals nur ein oder zwei Lieder der Piaf. Wenn man samstagabends auftritt, singt man Klassiker, Lieder von Sinatra zum Beispiel. Als ich dann nach Paris kam und man mich mit Piaf verglichen hat, fragte ich mich, warum. Ich fand unsere Stimmen ganz verschieden. Und sie hatte ein anderes Leben als ich, zum Glück. Ich hatte Eltern, die zusammen waren, ein Dach über dem Kopf.

So ganz verschieden, wie Kaas es will, sind ihr Lebenslauf und der von Piaf nicht. Beide stammten aus einfachen Verhältnissen, Piaf war die Tochter eines Wanderartisten, Kaas die eines Bergmannes, beide haben sie als Kinder auf Jahrmärkten gesungen, Piaf dann auf den Straßen der Pariser Vororte, Kaas bei Gesangswettbewerben in Lothringen. Während Piaf ein Nomadenleben alleine mit ihrem Vater führte und zeitweise in einem Bordell lebte, in dem ihre Oma Köchin war, hatte Kaas eine behütete Kindheit mit sechs älteren Geschwistern und fürsorglichen Eltern. Aber beide kamen von unten und stiegen nach ganz oben auf. Der “Spatz von Paris” und das “Mädchen aus dem Osten”, wie man sie nennt, verkörpern ein Frankreich, das nicht das der Bourgeoisie ist.

BZ: Sie haben sich mit der Piaf nie identifiziert oder auch nur beschäftigt? Immerhin ist sie ja bis heute die Königin des französischen Chansons.
Kaas: Erst jetzt, weil ich für die Show mehr über sie wissen wollte. Ich habe Leute getroffen, die sie kannten, wie Charles Aznavour und Alain Delon, und sie nach ihr gefragt. Sie hatte einen speziellen Charakter, eine Leidenschaft für die Liebe, für das Leben. Sie hatte aber auch Spaß. Zum Glück haben wir Aufnahmen bekommen, die sie von dieser Seite zeigen und die wir in der Show vorführen: eine Piaf, die lächelt, die am Strand entlang läuft, die nicht schwarz angezogen ist.

BZ: Spielen Sie in der Show auch die Piaf oder bleibt es eher “Kaas singt Piaf”?
Kaas: Ich möchte sie nicht imitieren, ich wüsste nicht warum. Aber es soll schon ein bisschen mehr sein als nur eine Interpretation ihrer Lieder. Zum Beispiel war sie eine sehr gläubigeFrau, deswegen werde ich am Anfang der Show beten, schweigend. Das ist einer der Momente, in denen ich in Piafs Gefühle schlüpfe. Aber “Kaas chante Piaf” ist vor allem eine Show, in der ich 24 Lieder singe, die auch die Piaf gesungen hat.

Kurze Unterbrechung des Gesprächs: Kaas hat ihre Malteserhündin Tequila dabei, eine Kellnerin bringt für diese eine Schale Hühnerfleisch. In ihrer Autobiographie beschreibt Kaas, dass sie mit der Hundedame nach ihren Konzerten ein gemeinsames Ritual pflegt: Die erschöpfte Sängerin legt sich auf den Boden, Tequila legt sich neben sie auf den Rücken und streckt alle Viere in die Luft. So kommt die Künstlerin runter vom Adrenalinrausch auf der Bühne.

BZ: Die Piaf hat ja eine ganze Menge von Liedern gesungen…
Kaas: … mehr als 430!

BZ: Haben Sie sich die für die Show etwa alle angehört?
Kaas: Ich habe sie alle zumindest angespielt. Aber die Auswahl war schwierig. Ich wollte Lieder, die man kennt, wie “Padam Padam” oder “Milord”. Aber ich habe auch unbekannte Lieder entdeckt wie “Avec ce soleil” oder “T’es beau tu sais”. Und ich möchte, dass die Leute diese Lieder auch kennenlernen, sie haben tolle Texte und eine große Stärke.

BZ: Sie haben für die Show und das Album mit einem Filmkomponisten zusammengearbeitet, dem Polen Abel Korzeniowksi, der in Hollywood arbeitet. Er hat für die Lieder sehr dramatische Arrangements geschrieben. Warum haben Sie ihn ausgewählt?
Kaas: Drama und Emotion waren das, was ich für die Hommage hörte, deshalb wollte ich mit ihm arbeiten. Für mich sind die Stücke auch filmisch, “Padam Padam” ist ein bisschen wie Tim Burton, “Avec ce soleil” ein bisschen wie Hitchcock.

Drama und Emotion – das ist auch eine Parallele zwischen den beiden Sängerinnen Piaf und Kaas: Beide sind bei der Suche nach der großen Liebe immer wieder gescheitert, in beider Biographien reihen sich die Beziehungen aneinander. Die Piaf war allerdings exzessiver, sie hatte auch schon mal drei Liebhaber gleichzeitig (bis die bei einem gemeinsamen Gespräch dahinterkamen) und beendete ihre Liebschaften oft unter dramatischen Umständen. Bei Kaas gingen sie immer wieder an ihrem unsteten Künstlerleben kaputt. Auch eine Mutterschaft hat Kaas der Karriere geopfert: Sie hat mehrere Abtreibungen vornehmen lassen, wie sie eingesteht. Piaf hat mit 17 eine Tochter bekommen, die nur ein Jahr später an Meningitis starb.

BZ: Edith Piaf hat in ihrer Autobiographie “Mein Leben” geschrieben: “Für mich hat es im Leben nur zwei wahre Dinge gegeben: die Liebe und meine Chansons. Und auch meine Chansons sind ein Teil der Liebe für mich.” Und an anderer Stelle sagt sie, nach jedem ihrer Liebesabenteuer sei die Einsamkeit größer gewesen als vorher, aber das hätte auch dazu geführt, dass sie ihre Chansons noch bewegender hätte singen können. Können Sie als Sängerin das nachvollziehen?
Kaas: Ein Lied erzählt immer von einer Geschichte oder von Gefühlen, die man erlebt hat, es ist immer ein Moment in einem Leben. Ich glaube, man kann Piafs Lieder schon mit 20 singen. Aber wenn man Lebenserfahrung hat und die Traurigkeit, aber auch die Fröhlichkeit kennt, das nährt Piafs Lieder. Es nährt auch meine eigenen. Wenn ich meine Lieder interpretiere, sind sie nicht immer autobiographisch, es ist wie eine Rolle. Man fragt sich, wenn mir das jetzt passieren würde, wie würde ich reagieren, was würde ich sagen? Aber ich bringe ein Gefühl in die Lieder, und wenn man Erfahrung hat, braucht man dieses Gefühl nicht zu suchen, es ist da, es ist natürlich.

Edith Piaf hat gleich zwei Autobiographien geschrieben, 1958 erschien die erste, auf dem Sterbebett hat sie 1963 die zweite diktiert, die schlicht “Ma Vie” betitelt ist. In dieser lässt sie atemlos auf gerade mal 120 Seiten ihr dramatisches Leben Revue passieren, ihre Rauschgiftsucht, ihre vielen Männer. Es ist ein Buch, das nicht wenig zu ihrer Legende beigetragen hat. Patricia Kaas hat vergangenes Jahr ihre Autobiographie veröffentlicht, dieses Jahr ist sie auf Deutsch unter dem Titel “Mademoiselle singt den Blues” erschienen: ein bewegendes Buch über ihre Kindheit und Jugend in Lothringen, über den Krebstod ihrer Mutter, ihre traumatischen Erlebnisse mit einem Stalker, aber auch über ihre Liebschaften.

BZ: In den meisten der Chansons, die Piaf gesungen hat, geht es um dasselbe wie in vielen Ihrer Lieder: um die Suche nach der großen Liebe. Aber auch im echten Leben ging es, laut Ihrer beider Autobiographien, darum.

Kaas: Wie Piaf kenne ich auch das Drama. Es gibt aber einen Unterschied: Ich denke, man muss sich selbst zuerst gut kennen, sich selbst lieben, um diese Liebe dann zu teilen. Meine Autobiographie hat mir, auch wenn es egoistisch klingt, geholfen, sie war eine Therapie. Ich habe vieles besser verstanden, und als ich das Buch beendet hatte, habe ich mir gesagt, du musst niemandem mehr etwas beweisen, du kannst stolz darauf sein, was du geleistet hast.

BZ: Das war vorher nicht so?

Kaas: Ich war immer kritisch mir selbst gegenüber, warum weiß ich nicht, das hat sich jetzt ein bisschen geändert.

BZ: Sie singen in der Show “Kaas chante Piaf” natürlich auch das berühmte Lied “Non, je ne regrette rien”. Bereuen Sie im Gegensatz zur Piaf etwas in Ihrem Leben?

Kaas: Sie hat ihr Leben im Extrem gelebt, ich bin viel disziplinierter. Das ist meine Mutterseite, meine deutsche Seite. Aber lieber lebe ich etwas und sage mir hinterher: Na ja, das war jetzt nicht das Beste. Dafür habe ich es getan, statt mir sagen zu müssen: Warum habe ich nicht das mal versucht? Dafür bin ich ein bisschen zu neugierig.

BZ: Sie bereuen nicht, vieles im Leben der Kunst geopfert zu haben?

Kaas: Es gibt die Zeiten, wo man viel unter Leuten ist, es gibt die Zeiten, in denen man ganz allein ist. Ich glaube, das ist der Preis, den man zahlen muss für diese Leidenschaft. Aber es ist sehr schön, auf der Bühne zu stehen und etwas mit den Leuten zu teilen, das ist ein Luxus.

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Als je 25 of 30 bent, kun je gewoon dingen doen. Wanneer je 35 wordt zijn dingen anders. Tijd is me nu meer dierbaar. Ik heb mijn prioriteiten.

Ik ben niet verdrietig, maar ik ben melancholisch. Als je je moeder verliest op je twintigste en je vader snel daarna, dan is droefgeestigheid een onderdeel van je leven.

Ik twijfelde altijd aan mezelf. Ik twijfelde over hoe ik eruit zag, over mijn lichaam, mijn stem - over alles.

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